Woher kommen sie?


Herkunft


Unsere Hauskatze stammt von der Wildkatze ab. Allerdings nicht von deren europäischen Form, so naheliegend diese Annahme auch sein mag, sondern von der nordafrikanischen, welche man "Nubische Falbkatze" nennt. Vor rund 4000 Jahren haben sich Angehörige dieser Wildkatzenrasse in Ägypten dem Menschen angeschlossen - wie es scheint aus freien Stücken. Vermutlich konnten sie den fetten Mäusen, die sich in den Getreidespeichern der Ägypter gütlich taten, nicht widerstehen, und legten allmählich ihre Scheu vor den "Zweibeinern" ab.
Die alten Ägypter fanden offenbar an den zutraulichen Katzen großen Gefallen, denn schon bald weihten sie diese der Göttin Bastet und erklärten sie als heilige Tiere. Wer damals eine Katze tötete, wurde schwer bestraft. Und wenn eine Katze starb, so schnitten sich ihre Besitzer zum Zeichen der Trauer die Haare ab. Die toten Tiere wurden einbalsamiert und in wertvollen Holzsärgen auf speziellen Friedhöfen bestattet.
Mit der Zeit gelangten die zahmen Falbkatzen den großen Handelsstrassen entlang auch in den Mittleren Osten, nach China und nach Südeuropa. Vor 2000 Jahren waren sie bei den Römern bereits zu beliebten Haustieren geworden. Später kamen sie über die Alpen nach Mitteleuropa. Hier kreuzten sie sich wohl mit den einheimischen Wildkatzen. Jedenfalls zeigen viele unserer heutigen Dorfkatzen mehr den europäischen Wildkatzentyp als den afrikanischen Falbkatzentyp.
Südländisches Blut scheint allerdings noch immer in den Adern unserer Hauskatze zu fließen. Oder weiß jemand eine bessere Erklärung dafür, warum unsere Mieze so wärmehungrig ist, im Sommer ihre Glieder wohlig an der Sonne dehnt und sich im Winter am Ofen geradezu rösten lässt? Sie ist sich selbst geblieben Interessanterweise hat sich die Hauskatze in all den langen Jahren, in denen sie in der Gesellschaft des Menschen lebt, in ihrem Wesen kaum verändert.
Tatsächlich kann sie noch heute sehr rasch verwildern und ihre ursprüngliche Lebensweise wieder annehmen, wenn man sich nicht um sie kümmert. Das gelingt sonst keinem Haustier. Die Hauskatze aber hat sich dem Menschen nie restlos unterworfen. Sie ist und bleibt die kleine, selbständige, eigenwillige, rätselhafte Tierpersönlichkeit, die sie schon immer war. Und gerade dies ist für uns von immer neuem Reiz.
Natürlich ist auch der Mensch ein wenig "schuld" daran, dass die Hauskatze über all die Jahrhunderte hinweg so unabhängig und ursprünglich blieb. Nie hat er nämlich planmäßig die Hauskatze für bestimmte Aufgaben gezüchtet. Der Hund als Jagdhelfer, das Pferd als Beförderungsmittel, die Kuh als Milch- und Fleischlieferant: Sie alle waren dem Menschen von Nutzen, und er züchtete sie nach seinen Wünschen weiter. Bei der Katze ist das anders. Wir behaupten zwar zuweilen, sie nütze uns durch ihren Mäusefang. In Wirklichkeit aber gefällt sie uns einfach, so wie sie ist, und wir pflegen sie aus reiner Freude. Man könnte sie als "Luxushaustier" von den "Nutzhaustieren" abgrenzen.


Geschichte der Hauskatze


Die Problematik der Haustierwerdung der Katze und der Beurteilung des Domestikationsgrades der Hauskatze ist nicht klar abzugrenzen, wie bei anderen Haustieren. So wurden z.B. 8000 v.Chr. Katzen in Jericho gehalten. Diese wurden aber wahrscheinlich nicht direkt domestiziert. Der Beginn der Domestikation kann man erst vor 6000 Jahren ansetzten. Damals wurden in Ägypten Hauskatzen gehalten. Die ältesten Darstellungen aus dem Niltal kennt man schon aus der Jungsteinzeit (4000 v. Chr.) Ein Grabgemälde aus Sakkarah (nach 2750 v. Chr.) zeigt die Katze bereits mit einem Halsband. 1580-1350 v. Chr. sind Jagdszenen aus dem Neuen Reich bekannt, welche Katzen beim Heranholen von im Wasser erlegtem wild zeigen. die Katze genoss nicht nur als Nager-, sondern vor allem als Schlangenvertilgerin göttliche Ehren. Auf ihre Tötung stand die Todesstrafe. In Bubastis fand man Hunderte von Katzenmumien. Nach 600 v. Chr. ist die Katze in China erwähnt. Erst nach 500 v. Chr. gelangte sie nach Griechenland nach 400 v. Chr. nach Süditalien. Doch erst um 100 v. Chr. begann sie im alten Rom die bis dahin als Ratten und Mäusevertilger gehaltene Frettchen zu verdrängen. Bis in das 10. Jahrhundert n. Chr. waren Katzen diesseits der Alpen sehr selten und galten als kostbarer Besitz. Nach Mittel- und Nordeuropa brachten die heimkehrenden Kreuzfahrer in großem Maße Katzen mit, die im späten Mittelalter das Wiesel als bisherigen Hauptmäusevertilger auf den Bauernhöfen ersetzten. Neben unserer allgemeinen Dorf- und Stadtkatze, die durch Mutationen eine Vielfalt sich immer weiter differenzierender Färbungsvarianten entstehen ließ, wurden auch vom Menschen gezielte Zuchten auf bestimmte Eigenschaften und Erscheinungsformen durchgeführt. Zuerst kreuzte man früher Hauskatzen mit anderen Wildkatzenvertretern der silvestris- und ornata-Gruppe. Die eigentliche Rassezucht jedoch, der wir eine Unzahl von sehr unterschiedlichen Rasse zu verdanken haben, begann erst vor weniger als 100 Jahren. Daher unterscheiden sich unsere Edelkatzen nicht wesentlich von den normalen Hauskatzen. Bekanntlich ist die Hauskatze in Europa noch sehr jung. Victor Hehn hat mit bekannter Gelehrsamkeit die Zeugnisse für das erste Auftreten der Hauskatze in Europa gesammelt; er findet die erste Erwähnung derselben, damals schon unter dem Namen Catus, bei Palladius, der gegen Ende des Weströmischen Reiches schrieb. In der Tat sind Katzenknochen weder in prähistorischen noch in klassischen Trümmerstätten aufgefunden worden. Von wo die Katze eingeführt worden ist, darüber ist nichts ermittelt; außer Ägypten könnte höchstens Indien genannt werden, wenigstens erwähnt Darwin, Mr. Blyth habe ihm mitgeteilt, dass in einer zweitausend Jahre alten Sanskrithandschrift Hauskatzen erwähnt werden. Leider ist genaueres darüber nicht angegeben und es muss bei der Unsicherheit der alten Terminologie darauf gehalten werden, dass nicht etwa durch bloße Übersetzungsfehler falsche Vorstellungen erweckt werden. Auch die Angaben der alten griechischen Schriftsteller leiden unter diesem Fehler. Herodot gebraucht den Namen oder , der, wie Hehn ganz richtig gezeigt hat, auch auf den Marder oder die Wildkatze bezogen werden kann, gleichwie das lateinische Felis keineswegs mit Sicherheit die Hauskatze bedeutet. Immerhin spricht vieles dafür, dass die Hauskatze im alten Ägypten bekannt war, und wenn dies der Fall wäre, dass sie auch in Ägypten domestiziert worden ist. Nichtsdestoweniger muss es auf den ersten Blick auffallen, dass ein so nützliches Tier, wenn es schon seit alten Zeiten in Ägypten gezähmt war, in keines der europäischen Kulturländer eingeführt sein sollte, selbst nicht einmal zur Zeit der Römer, die doch so nahe und dauernde Beziehungen mit Ägypten hatten. Die Nachrichten über die altägyptische Katze hat Wilkinson mit großer Sorgfalt gesammelt. Noch Strabon (Lib. XVII. cap. I. 40) berichtet, dass alle Ägypter drei Vierfüßler, das Rind, den Hund, und den verehrten, und Cicero (De natura deorum I. 29) bemerkt, dass noch nie jemand habe erzählen hören, dass ein Ägypter eine Katze getötet habe. Ja, eine solche Tötung war mit Todesstrafe bedroht, und Diodor (I. 83) meldet, dass sogar unter römischer Herrschaft ein Römer, der zufällig eine Katze getötet hatte, vom Volke ermordet wurde. Einer solchen Verehrung im Leben entsprach die Behandlung nach dem Tode. Herodot (II. 67) gibt an, dass die Leichen der Katzen in heilige Gebäude in der Stadt Bubastis gebracht daselbst einbalsamiert und bestattet wurden.

Da jedoch Katzenmumien in großer Zahl auch an anderen Orten gefunden sind, z.B. in dem Felsentempel von Scheich Hassan und in Theben, so hat Wilkinson gemeint, die Angabe des Herodot habe sich nur auf die in der Nähe von Bubastis gestorbenen oder auf die von ihren Besitzern besonders geschätzten Tiere bezogen. Die Tatsache, dass Katzenmumien auch an anderen Orten gefunden werden, mildert er durch die Erwägung, dass die Göttin Bast auch in Theben und an anderen Orten verehrt wurde. Mag also auch die Mitteilung des alten Geschichtsschreibers eine zu einseitige gewesen sein, immerhin darf daran festgehalten werden, dass Bubastis ein, wenigstens für Unterägypten, weithin gesuchter Ort zur Beisetzung toter Katzen war. Es hing dies offenbar damit zusammen, dass Bubastis den Haupttempel der Göttin Bast enthielt, welche mit einem Katzenkopf dargestellt wurde; Herodot identifizierte sie mit der griechischen Artemis. er beschreibt ausführlich den Tempel und die Feste, welche weither die Bevölkerung zusammenführten. Man fuhr dahin auf Booten, da die Stadt an dem ehemaligen Tanitischen arme des Nils, nahe dem Lande Gosen gelegen war. Sie reicht bis in die Anfänge der ägyptischen Geschichte zurück, denn Pibast (bei Ezechiel: Pibeseth) wird schon im Beginn der II. Dynastie erwähnt, und die XXII. Dynastie (zehntes bis achtes Jahrhundert) verlegte dahin sogar den Königssitz. Aber schon Ramses II. (Sesostris) war genötigt gewesen, wegen der, infolge der Erhöhung des Nilbettes stets steigenden Überschwemmung des Landes, den Boden der Städte im Delta zu erhöhen, und der äthiopische König Sabako (XXV. Dynastie) hatte eine neue Erhöhung vornehmen müssen.

Nirgends erreichte dieselbe (Herodot II. 137) eine größere Höhe als in Bubastis, dessenTempel inmitten der Stadt lag. Aber der Tempel und alle Herrlichkeit mit ihm zerfielen im Laufe der Zeit, und nichts war von ihm übrig geblieben, als der aufgeschüttete Erdwall mit massenhaften Trümmerhaufen und die schwache Erinnerung des Volkes, welches den aus der Deltaebene hervorragenden Schutthügel in der Nähe des heutigen Zagazig, der Hauptstadt des Scherkiye, noch immer Tell Basta nannte. Und von diesem Schutthügel wusste man schon lange, dass man darin katzenköpfige Figürchen zu Tausenden ausgrub. "Die Katzen von Bubastis und die Löwen von Tell es-Seba füllen unsere Museen", sagt Maspero. Hauskatze (felis silvestris libyca f. catus)